Ruft ihr mit eurem Aufruf zu einem eigenen Block auf der traditionellen LL-Demo auf?
Nein. Wir organisieren zum Gedenken am Todestag von Rosa und Karl eine eigene Demonstration. Wir finden es wichtig und sinnvoll an diesem Tag den emanzipatorischen Kämpfen der linken Geschichte zu gedenken und verstehen uns auch in der Tradition des langjährigen Gedenkens, wollen das aber in einer Form tun, die wir als den Idealen und Ideen von Rosa und Karl angemessen verstehen.

Was ist denn das Problem an der traditionellen Demonstration?
Die LL-Demo war besonders nach der Vereinigung von BRD und DDR die große Zusammenkunft aller möglichen Teile der Linken in Deutschland. In den letzten Jahren ist die Präsenz von offen stalinistischen und maoistischen (K-)Gruppen so prägend für die Demo geworden, dass viele keine Lust mehr haben sich hinter den Stalin-Porträts und dem DDR-Fahnenmeer einzureihen. Wir betrachten Stalinismus, Maoismus und Solidarität mit Nordkorea nicht als linke, emanzipatorische Inhalte, geschweige denn mit den Zielen und Ideen von Rosa und Karl vereinbar.
Wir versuchen mit unserer Demo den Anstoß zu liefern, dem Gedenken in einer emanzipatorischen Form eine neue Gestalt zu geben, ohne dabei die Würde des Gedenkens einzubüßen. Diesen Versuch verstehen wir ganz eindeutig als ein Gedenken an (verlorene) linke Kämpfe, das gleichzeitig Teil des fortwährenden Strebens nach einer Gesellschaft jenseits von Herrschaft und Ungleichheit ist.

Okay, aber ist das nicht Spalterei?
Eine „linke Einheit“ auf Kosten elementarer emanzipatorischer Inhalte, wie der Kritik an Diktatur und Repression, oder der Verurteilung der Verfolgung von Menschen anderer Meinung und der Ablehnung grotesk verkürzter Analysen ist nichts Erstrebenswertes. Die Duldung von Stalinist*innen und Maoist*innen in den Reihen der Demonstration zeugt nicht von Geschlossenheit, sondern vielmehr von Beliebigkeit.
Darüber hinaus ist das Gedenken schon seit langem tief gespalten: In diejenigen, die auf die LL-Demo gehen und diejenigen, die das einfach nicht mehr können, ohne Brechreiz zu bekommen.

Naja, ihr könnt dem LL-Bündnis doch nicht vorwerfen, wer sich so auf ihre Demo verirrt.
Doch, schon. Es gibt sehr einfache Möglichkeiten den Stalin-Fans eine Teilnahme an der Demo zu vermiesen. Zum Beispiel ein klares Bekenntnis gegen Stalinismus und andere blutige Diktaturen, die im Namen des Sozialismus errichtet wurden. Außerdem ist es völlig rechtmäßig das Zeigen von Mao-, Stalin- oder Ho-Chi-Minh-Porträts auf der Demo zu untersagen und zu unterbinden.
Die Kritik an der Präsenz von Stalinismus wurde in unterschiedlicher Form immer wieder an die Demo herangetragen – zuletzt mit einer friedlichen Transpi-Aktion im letzten Jahr. Die Antwort darauf war nur körperliche Gewalt. Der Vorbereitungskreis hat sich niemals zum Stalinismus auf der eigenen Demo geäußert, geschweige denn irgendwelche Schritte unternommen diesem Einhalt zu gebieten.
Ein weiterer Grund an der Bereitschaft des Vorbereitungskreises zu zweifeln, gegen Stalinismus in der Demo vorzugehen, ist der Aufruf.

Aha, was ist denn so schlimm an dem Aufruf zur LL-Demo?
Also einmal ganz abgesehen von der streitbaren Unterstellung Rosa und Karl hätten den Faschismus vorhergesagt sowie der undifferenzierten Verknüpfung sozialistischer Hoffnungen mit dem heutigen Kuba, tut der Aufruf vor allem eines:
Die Verfasser*innen zeichnen ein apokalyptisches Szenario vom bevorstehenden Untergang der ganzen Menschheit, gegen das wir uns heute stemmen müssten. Dafür wird der germanisch-mythologische Begriff „Weltenbrand“ benutzt. Es wird impliziert dass die EU, NATO und USA schlimmer seien als der Nationalsozialismus und im Begriff sind etwas zu tun – augenscheinlich mit einem Angriff auf Iran und Syrien – dass die Shoa in den Schatten stellen würde.

Nicht wirklich!?
Doch, schau nach: Aufruf der LL-Demo
Ein Bündnis, welches allen Ernstes mit einem solchen Text zu einer Demo aufruft, an der sich Linke „unterschiedlicher Strömungen“ beteiligen sollen, ist ganz offensichtlich nicht in der Lage die eigene Verhaftung in Ideologie auch nur ansatzweise zu reflektieren

Na dann, viel Erfolg bei der Rosa&Karl-Demo!
Danke. Komm doch mit! :)