Hierbei handelt es sich um den Kurz-Aufruf.

Neben dem Kurzaufruf haben wir 3 aufeinander aufbauende Texte veröffentlicht die zusammen den Gesamtaufruf zur Demonstration bilden:
Teil 1 „Fragend blicken wir zurück. Fragend schreiten wir voran.“ beschäftigt sich mit dem Umgang mit linker Geschichte,
Teil 2 Zwischen Lassalle und Stalin – Der Etatismus der Linken nähert sich der Problematik im das Verhältnis der Linken zum Staat und
Teil 3 Wer hat uns verraten…1918/1919 wirft einen Blick auf die Geschehnisse rund um den Spartakusaufstand.
Im Folgenden jedoch der Kurzaufruf:


„Fragend blicken wir zurück.

Fragend schreiten wir voran.“

Die Erinnerung an bestimmte historische Entwicklungen und ihre Analyse sind bedeutender Teil unterschiedlichster „linker“ Bewegungen. Je nach theoretischem Ansatz erfüllt hierbei die Auseinandersetzung mit Geschichte verschiedene Funktionen. Vor über einem Jahr haben wir uns in den Diskurs um das Erinnern an die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht eingemischt. Im Januar 2013 fanden eine Aktionswoche und eine Demonstration zum Gedenken an die Kämpfe der Jahre 1918/19 statt. Wir stehen auch weiterhin für einen kritischen Blick auf linke Geschichte:

Die Geschichte des Kapitalismus ist das Ergebnis historischer Machtkämpfe und sie wird von den Herrschenden geschrieben. Wir setzen auf eine andere Form der Erzählung. Geschichte ist nicht statisch, sie ist vielschichtig, wird von vielen erlebt und gemacht und ist durchaus auch widersprüchlich. Sie ist nicht zwangsläufig. Für uns bedeutet eine alternative Geschichtserzählung auch, die Ideen, Gedanken und Theorien für die z. B. Rosa Luxemburg stand, in den Vordergrund zu rücken und sich mit ihnen kritisch auseinanderzusetzen.

Vor der Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts flammten im Januaraufstand die nicht eingelösten Hoffnungen auf einen sozialistischen Wandel wieder auf. In Folge der Ermordung der Beiden spitzten sich diese Hoffnungen noch einmal in den Ausrufungen der Räterepubliken von Bremen bis München zu. Die Verabschiedung der Weimarer Verfassung am 11. August 1919 stellte das formale Ende der schon im Mai niedergeschlagenen Kämpfe dar.

Wenn wir heute Rosa und Karl gedenken, bedeutet dies, sich die Niederlage ihres Kampfes bewusst zu machen. Wir möchten aber auch daran erinnern, dass eine von Ausbeutung und Zwang befreite Welt möglich war und ist. Ende 1918 Anfang 1919 bestand die Hoffnung auf eine sozialistische Republik in Deutschland. Ob diese im Ergebnis freiheitlich gewesen wäre, bleibt offen. Die Revolution in Russland hat in trauriger Weise vorgeführt, wie eine berechtigte sozialistische Hoffnung zunichte gemacht wurde. So hat sie mit dem Stalinismus eines der menschenfeindlichsten Systeme des 20. Jahrhunderts hervorgebracht. Doch lässt uns die Betrachtung der Geschichte nicht verzagen, sondern mutig und sensibel werden. Mutig, weil sie zeigt: Veränderungen sind möglich. Sensibel, weil wir wissen: Neben allen zu erkämpfenden Verbesserungen besteht Gefahr, dass Hoffnungen und Erwartungen enttäuscht werden. Unser Anspruch ist es, an die Widersprüche innerhalb der Geschichte der Arbeiter*innenbewegung zu erinnern. Nur aus der Auseinandersetzung mit der Widersprüchlichkeit kann eine emanzipatorische Politik für die Gegenwart hervorgehen. Denn all diese Widersprüche zeigen eines: Es gibt keine einfache Geschichte, kein simples Schwarz und Weiß.

Gerade deshalb setzen wir uns für ein emanzipatorisches Gedenken ein, das die Widersprüchlichkeit dieser Welt aushält. Eine „linke“ Heiligenverehrung mit übergroßen Porträts vermeintlicher Polit-Ikonen, unkritisch aneinandergereiht passt nicht zu unserer Form des Gedenkens. Das ist in unseren Augen politische Religion, zutiefst reaktionär und dogmatisch.

Unser Gedenken – und damit eine gesamte Veranstaltungswoche – und unsere Demonstration stehen im Zeichen eines Eintretens für eine bessere Gesellschaft jetzt und hier! Ausbeutung und Arbeitszwang auf der einen, Massenarbeitslosigkeit auf der anderen Seite. Nicht eingelöste Glücksversprechen eines guten Lebens für alle, Perspektivlosigkeit bei jungen und alten Menschen, ein auf die Verwertung sogenannter „Humanressourcen“ ausgerichtetes Bildungssystem, nationaler Wirtschaftsprotektionismus , ein unsolidarisches Europa, geprägt von einer Erstarkung der Rechten und die rassistischen Aufmärsche von Bürger*innen in Berlin-Hellersdorf, Duisburg , Schneeberg und anderswo– all dies hat in einer Gesellschaft der Freien und Gleichen keinen Platz!

Als Jugendverbände in der Tradition der Arbeiter*innenjugend sind wir nicht bereit, die menschenunwürdigen Bedingungen, die der Kapitalismus schafft, weiter hinzunehmen. Als Jugend sind wir gefordert aufzustehen, uns zu bilden und zu organisieren, um den bestehenden Verhältnissen eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Zwang entgegenzusetzen.

Wir rufen auf: Kommt zur Auftaktveranstaltung am 4. Januar, nehmt teil an unseren Veranstaltungen vom 4. – 11. Januar und demonstriert mit uns am 12. Januar auf der Straße!
„Wir müssen nichts so machen wie wirs kennen, nur weil wirs kennen wie wirs kennen.“ (Die Sterne)